Reste
(oder: Untauglich für diese Welt)

Habe mich immer mit Resten zufrieden gegeben
begnügsam bis dorthinaus
aus dem letzten Dreck noch was gemacht
nicht penetrant geifernd gefordert, wie das heute ja so üblich ist
mich immer brav hinten angestellt
auf meinen Teil gewartet
höre noch die mahnenden Worte im Ohr: "Ihr kriegt nur was, wenn ihr nicht bettelt"
man durfte also nicht sagen, was man braucht
"richtig" betteln tut man, indem man schweigt und lächelnd wartet
das tat ich
ich warte bis heute
ich fand "Auswege" und bettelte "in Geheim-Sprachen":
originell, lockend, geistreich, hintersinnig.
sie sahen darin nur Bespaßung und schnallten's nicht
und die, die es verstanden, handelten nicht
und wenn ich jetzt auf meine alten Tage
vorsichtig noch anfange, meine Bedürnisse zu formulieren
dann krieg ich bestenfalls was auf die Fresse
ich soll doch bitte nicht stören
aha
das Gleiche also wie immer
jeder andere darf rumkotzen bis dorthinaus und wird gar noch in Schutz genommen
aber wenn *ich* nur was Dezentes in den Wind nuschel, dann ist gleich Apokalypse angesagt
wie kann ich nur
so ungehörig sein

und einfach meine Bedürfnisse äußern?
?wieso, machen doch die anderen auch?
ja, die dürfen das ja auch
wo ist der Unterschied?
wo ist der Unterschied?
wo ist der Unterschied?
das ist die Frage, die ich mir seit Jahrzehnten stelle.
Sicher würde auch jetzt wieder das Gegeifer losgehen - wie kann ich nur sowas fragen?
(Ja, wie kann ich nur sowas fragen? Wie kann ich nur so "dreist" sein und nach all den Jahrzehnten "Aus-Angst-Geschweige" und "Zum-Überleben-die-Klappe-Gehalte" nun auf einmal reden?)

Bisher habe ich mich vor all den "Aggressoren" geschützt, indem ich mich tot stellte, schauspielerisch und argumentativ überzeugend mich selber niedermachte und als dümmlich darstellte, damit sie mich für blöd halten und ihr Gegeifer damit als substanzlos nicht weiter verfolgten. Sie sind scharenweise in diese Falle gelaufen und ich hatte die überlebenswichtige Ruhe im entscheidenden Moment.

Ich will aber leben, nicht nur überleben.
Und ernst genommen werden.

Sehne mich nach neutralem Respekt statt dümmlich-aggresivem Rumgezweifel.
Wer ist in der Lage, mal was (eigentlich total Einfaches und Simples) auszuhalten? Nur einfach anzuschauen? Mitzutragen? Überhaupt erst zu erfassen, was ich da eigentlich gesagt habe?
Ohne Besserwissergegeifer? Ohne Dahinter-ne-Sünde-Gesuche? Ohne Psycho-absurd-Verdachte? Ohne du-willst-wohl-nur, du-musst-wohl-mal, du-solltest-nur-mal, .....
Sondern mal den Logikknopf im Hirn und das innere Auge anschaltet?
Wo finde ich endlich, endlich, endlich den geschützten Raum, der mich (ganz normale Sachen) ganz normal auspacken lässt?
Ohne überhitzte Besserwisser, die allerorten sabbernd aus dem Gebüsch springen?

 

TF., Gedanken 08

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
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